Kopfüber durchs Leben

Die Sonne scheint, die Frühlingsgefühle erwachen und ich feiere immer noch den Artikel von notyetaguru.com, den das BARBARA Magazin am 11.März auf ihrer Facebookseite geteilt hat. Und zwar nicht nur, weil er einfach frei Schnauze geschrieben ist und ich während des Lesens nicht wusste, ob ich laut lachen oder heulen sollte – denn dieser Blogpost ist REALITÄT.

 

Und ich als Working Mom mit Hund darf das auch einfach so behaupten, schließlich beschreibt Teilzeit-Guru Susanne gnadenlos die Herausforderung der meisten arbeitenden Mütter.

Fakt ist, als Mutter stehst du immer im Zwiespalt mit allem. Kompromisse sind da an der Tagesordnung!

Ich selbst habe mich das erste Mal als Mutter so richtig unverstanden gefühlt, als ich aus der Elternzeit wieder in den Beruf einsteigen wollte. Ich war lange Zeit in einem großen internationalen Unternehmen im Customer Relations tätig und mein Mann und ich haben gemeinsam beschlossen, dass ich nach 12 Monaten wieder als Vollzeitkraft ins Berufsleben einsteige. Ich hätte ehrlich gesagt niemals gedacht, dass es schwieriger ist wieder in Vollzeit zurückzukommen, als in Teilzeit. Ist aber so. Zumindest wurde mir damals verdeutlicht, dass es einfacher ist eine Halbtagskraft „unterzubringen“. So blieb lediglich eine Stelle als Elternzeitvertretung für ein Jahr. Aus der Elternzeit rein in die Elternzeitvertretung – ganz getreu dem Motto: “Die wird schon wieder schwanger!“.

 

Ok, ich will euch nicht belügen. Ich hätte auch ganz einfach meine Elternzeit verlängern können, bis die Personalabteilung „etwas Passendes“ für mich gefunden hätte. Ähm, klar. Kein Problem. Hänge ich einfach nen paar Monate ohne Gehalt und Elterngeld dran, weil man sich ja als Schwangere - vollgepumpt mit Hormonen – bereits für eines der vielen wirren Modelle der Elternzeit entscheiden muss.  

Die Frauenquote wurde bei der Verabschiedung vor zwei Jahren als „Historischer Tag für die Gleichberechtigung“ dargestellt. Liebe Politiker, welchen Effekt hat dieses Gesetz, wenn es Frauen nicht mal gewährleitet ist, einen Anspruch auf den Job, den sie vor Antritt der Elternzeit fabelhaft gemeistert haben, zu stellen? Müsste sich der Bundestag nicht eher Gedanken darüber machen, warum es so wenig Frauen in den Führungsetagen gibt?

 

In unserem Consumer Relations-Team hatte ich auch eine Kollegin aus Frankreich. Sie ist Managerin und hat drei Kinder. Für sie gab es keinen Zwiespalt zwischen beruflicher Karriere und dem Muttersein. In Frankreich gehören Mütter auch in großen Firmen einfach dazu und ihnen werden durch ein sehr organsiertes und breites Betreuungssystem viel mehr Möglichkeiten im Berufsleben gegeben.

 

Liegt das warum also nicht eher an der schlechten Vereinbarkeit von Beruf und Familie hierzulande? Denn selbst das beste und erfolgreichste Studium stellt eine Frau in Deutschland irgendwann vor die Frage: Kind oder Karriere? 

 

Und apropos Gleichberechtigung: wenn wir Mütter es schon schwer haben wieder in den Beruf einzusteigen, warum sollten dann die Väter freiwillig ihren Job riskieren, wenn ihr Arbeiter die beantragte Elternzeit denn überhaupt genehmigt? #findedenFehler

Ich habe mich kurz vor Ende meiner Elternzeit in einem anderen Unternehmen beworben und mit dem Wiedereinstieg in den Beruf einen Neuanfang gewagt.

 

Wir leben in einer modernen Zeit, die voller Selbstbewusstsein und Kreativität strotzt. Die Welt hat sich verändert. Das einzige, was geblieben ist ist die Tatsache, dass Frauen Kinder gebären.

Es muss sich also nichts an der Tatsache ändern, sondern an der Sichtweise.

Und bis es soweit ist, laufe ich kopfüber durchs Leben. Das erweitert den Horizont. Kann ich nur empfehlen!

 

perfektionslos


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