Gedanken mit Bergpanorama

Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was ich schlimmer finden soll: die Tatsache, dass bereits ein halbes Jahr vorbei ist oder die, dass ich meinen letzten Blogpost vor einer gefühlten Ewigkeit geschrieben habe. Tatsächlich stand in den letzten Wochen immer ziemlich viel auf dem Plan, u.a. auch ein 30 Stunden-Trip in den Süden Deutschlands: nach Füssen.

 

Verreisen an sich ist ja schon schön, aber für Eltern einfach mal wieder als Paar zu zweit die Welt zu erkunden klingt schon fast wie ein Glückstreffer. Deshalb war die Aufregung und Vorfreude auf die Hochzeit unserer Freunde auch besonders groß, auch wenn die Unterbringung von Kind und Hund und der Gedanke: „Es geht ihnen gut, die kommen auch mal ohne uns zurecht.“, erst einmal verinnerlicht werden muss (die Mütter und Frauchen unter euch wissen, was ich meine 😉). Das entspannte Reisen im ICE hatte dann aber auch bei mir dazu beigetragen, einfach mal zu relaxen.

 

Umso heller die morgendliche Sonne wurde (unser Zug ist um 4Uhr morgens losgefahren) und je mehr sich die Umgebung aus dem Zugfenster von der typisch norddeutschen Weite mit unzähligen Windmühlen in hügelige Wälder verwandelte, desto mehr dachte ich darüber nach ob Träume wirklich gejagt werden müssen und warum Heidi ihre Zeit viel lieber auf der Alm verbrachte, als in der Stadt.


Kennt ihr diese typische Frage aus Vorstellungsgesprächen: „Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?“. Ich habe den psychologischen Hintergrund dieser Frage bis heute nicht verstanden. Soll hiermit ermittelt werden, welche Träume insgeheim in uns schlummern und glaubt wirklich jemand, dass ein Bewerber ehrlich sagt: „Als Manager bei der Konkurrenz, weil es dort viel schöner ist!?“. Sicherlich hat jeder von uns gewisse Pläne oder Vorstellungen, wie das eigene Leben sein soll. Aber gleicht der Blick in die Zukunft nicht sowieso immer dem Wunschdenken? Schließlich wünscht sich doch jeder, dass in fünf Jahren irgendetwas anders ist, als derzeit. Egal ob beruflich, privat, finanziell oder sonst irgendeine Art und Weise.

 

Meine ehemalige Ausbilderin hat einmal erzählt, dass Träume für sie etwas Unerreichbares sind. Sie selbst hat einen Traum, aber sie weiß, dass dieser niemals wahr werden wird. Das hat mich damals schwer getroffen. Und auch heute denke ist, dass jeder seine Ziele erreichen kann, wenn man es nur wirklich will. Und genau da liegt vielleicht der feine Unterschied. Sind es Träume oder Ziele die wir jagen sollten? Tatsächlich bestimmt beim Traum vom Eurojackpot eher das Glück unser Schicksal; dagegen gelangen wir durch Fleiß, Mut und Ehrgeiz mal schneller, mal langsamer ins gesteckte Ziel.

 

Apropos Ziel: auch wir haben bei unserer Reise quer durch Deutschland die Endhaltestelle erreicht und wurden in Kempten im Allgäu durch den Blick auf das Alpenpanorama sofort in den Bann dieser wunderschönen Natur gezogen. Umso weiter wir dann mit dem Auto Richtung Füssen fuhren, umso mehr hatte ich das Gefühl gleich auf Heidi und Peter zu treffen. Denn diese Berge, die klaren und blauen Seen, die Wiesen auf denen Kühe mit Glocken um den Hals weideten – all das kenne ich nur vom Dörfli des Alm-Öhi. Und mehr denn je konnte ich verstehen, warum Heidi sich in der Stadt nicht wohl fühlte und es sie immer wieder auf die Alp zurückzog. Womöglich hatte sie ihr Ziel dort bereits erreicht und war einfach glücklich und zufrieden.

 

Wir müssen unseren Zielen also auch nachjagen - selbst, wenn wir sie bereits erreicht haben.

Vielleicht kommt es also weniger darauf an was wir jagen, sondern das wir es einfach tun. Schließlich wissen wir am Anfang nie, was wir letztendlich wirklich erreichen und möglicherweise ist das Ziel am Ende doch der zuvor geträumte Traum.