#2 Forever21

Es ist mal wieder soweit. Ich stehe schon bald vor einem Tag voller Luftballons und Konfetti, Umarmungen und Glückwünsche: meinem Geburtstag. Auch wenn ich mir zwischen einem liebevoll gesungenen Ständchen und Geschenken immer ein Tränchen voller Glück verdrücken muss, habe ich grundsätzlich nur wenig für das Älter werden übrig. Ich mag es einfach nicht. Mittlerweile zumindest. Bis zum meinem 18. Geburtstag konnte ich es natürlich gar nicht erwarten. Endlich alleine mit dem Auto fahren, die verschlafene 1. Stunde in der Schule selbst entschuldigen und die gewonnene Freiheit in vollen Zügen auskosten. Das schmeckt. Allerdings nur solange, bis ich 25 geworden bin. Denn, steht man erst einmal kurz vor der Spitze des 30er Berges, wird der weitere Weg anstrengend und von Vergleichen und Verurteilungen begleitet.

 

Bevor wir 25 werden, wird vieles was tun einfach belächelt oder als „süß“ abgetan. Da war es egal, dass wir bis früh morgens gefeiert und versehentlich an der falschen Tür geklingelt haben, Pyjama-Abende mit unserer besten Freundin, viel Schokolade und Channing Tatum zelebrierten oder der Stoff um die Hüften mehr Mini als Rock war. Haben wir erst einmal ein viertel Jahrhundert erreicht, ist es vorbei mit dem Welpenschutz. Da gelten schon kleinere Fehltritte als Riesen-Fauxpas. Denn auf einmal sind wir zu „alt“ für solchen „Kinderkram“ oder fühlen uns zu „alt“, um jedes Wochenende um die Häuser zu ziehen. Auf einmal ist es auch egal wie lang der Rock den wir tragen wirklich ist, denn von nun an ist er einfach immer zu kurz.

 

Schlimmer als das sind aber die unterschwelligen Vergleiche. Vor allem, weil ich selbst hin und wieder in die Falle tappe. Achtet einmal selbst darauf, wie oft ihr euch oder andere in einem Gespräch mit Freunden vergleicht. Ganz typisch sind zum Beispiel Wohnungs- oder Hausbesuche: „Schön habt ihr´s hier. Und so schön hell. Wie viele Quadratmeter sind das? 90? Ach schön. Wir haben nur 75. Oh, eine Fototapete! Das sieht so echt aus. Ich wollte ja auch eine haben, aber…“. Das ist so, oder? Egal ob mit der Wohnung, dem Job, den Reisen, den Handtaschen oder gleich mit dem kompletten Leben. Wir finden immer etwas, um uns zu vergleichen und wir finden auch immer eine Kleinigkeit, die bei anderen besser ist, als bei uns selbst.

Aber nun bin ich nicht mehr 25, sondern werde 27. Ab jetzt muss ich mich nicht nur damit abfinden, dass Smalltalks auch unter gleichaltrigen wirklich langweilig sein können. Von nun an muss ich damit rechnen angezählt zu werden, bis der bittere Knock-out und somit die 30er erreicht sind. Noch kenne ich mich mit den 30ern nicht aus, aber ich vermute, dass von da an wieder die 3-Klassen-Gesellschaft zählt:

1. Vergeben & glücklich

2. Single mit Niveau

3. ewiger Junggeselle/ewige Junggesellin

 

Der Gedanke daran, mich auf einer Ü-30 Party wiederzufinden und von jemandem noch vor der Frage nach meinem Namen nach dem derzeitigen Beziehungsstatus abgefragt zu werden, macht mir Angst. Nicht weil ich mit der Antwort „glücklich verheiratet“ ein Problem habe, sondern weil ich nicht nach Kategorien bewertet werden möchte. Ich möchte nicht darauf hoffen am Ende des Tages ein symbolisches Foto zu bekommen um in die nächste Runde geschickt zu werden, nur weil ich den Ansprüchen meines Alters gerecht werde. Ich kann Aussagen wie „zu jung“ oder „zu alt“ nicht hören. Mit 21 galt ich als „zu jung“ zum Heiraten und heute mit Kind bin ich „alt“, weil ich einen Tag mit meiner Tochter jedem Festival vorziehen würde.

 

Ist das Alter vielleicht doch nur eine Zahl auf dem Papier & wir selbst sind so alt, wie wir uns fühlen?

Und während ich weiter über das Älter werden grüble drehe ich das Radio voll auf, lasse meine Hüften in meinem Crop-Top kreisen und zeige meinem wahren Alter den Mittelfinger!

 

LEBE. LIEBE. LACHE. & SEI PERFEKTIONSLOS!

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