#6 Alle Jahre wieder

Es ist knapp ein Monat seit meiner letzten Kolumne vergangen und es sind noch 31 Tage bis Heilig Abend. Schon jetzt fühlt es sich so an, als ob die Zeit zum Jahresende schneller tickt und der Wahn der Weihnacht Jahr für Jahr früher beginnt.

 

Ein Beispiel: für meine Tochter war ich am Wochenende auf der Suche nach Kleinigkeiten für den Adventskalender. Ich dachte mir, dass ich allmählich mit den Vorbereitungen beginnen könnte. In Gedanken ist der selbstgestaltete Weihnachtscountdown bereits seit Wochen dank etlicher Pinterest und Instagram Inspirationen fix und fertig. In der Realität stehe ich allerdings jedes Jahr am 30. November verzweifelt im Wohnzimmer und improvisiere einen Adventskalender der inhaltlich für Spiel, Spaß und Spannung sorgt und darüber hinaus auf den ersten Blick mit den aktuellsten Interior-Trends von Westwing, Elle Decoration und Co. mithalten kann. Schließlich ist diese Tradition mittlerweile auch ein fester Dekobestandteil, der in keinem Haus fehlen darf.

Ob nun gerade deshalb oder weil Männer generell eher rational denken – mein Mann sieht diese vorweihnachtliche Freude für sich selbst als reine Geldverschwendung.

Ihr wisst, ich liebe Weihnachten! Wenn ich könnte würde ich es so halten wie Kris Jenner und unser Haus in ein Winter-Wonderland verwandeln. Nur ein Weihnachtsbaum wäre nicht genug und eine Rodel- oder Schlittschuhbahn im Garten das i-Tüpfelchen. Und was wäre Weihnachten ohne Geschenke? Egal ob für mich selbst oder andere – hübsch verpackte Päckchen gehören einfach unter einen geschmückten Baum. Meine Weihnachtsliebe hat aber auch in den letzten Jahren dazu geführt, dass ich die Aussage meines Mannes keinen Adventkalender haben zu wollen, konsequent ignoriert habe und zumindest immer wieder kleine Geschenktütchen mit Schokolade und Rubbellosen vorbereitet hatte.

 

Ok, wahrscheinlich habe ich die Signale meiner besseren Hälfte einfach falsch übersetzt und dachte einfach nein bedeutet ja, was bei uns Frauen nun mal die oberste Regel ist. Zudem haben Frauen generell mehr Faible für Krimskrams und Ideen für kleine Geschenke, die für einen Adventskalender unersetzlich sind.

Weihnachten muss weiblich sein!

Es kann ja schließlich kein Zufall sein, dass die Verfechter dieses Fests, wie beispielsweise Ebenezer Scrooge oder der Grinch, männlich sind oder zumindest so etwas Ähnliches darstellen sollen. Immer sind es die männlichen Charaktere, die die wahre Bedeutung der Weihnacht zunächst verpönen und am Ende eines besseren belehrt werden.

 

Aber haben Männer wirklich nichts für das Fest der Liebe übrig und versuchen jedes Jahr wieder am Heiligen Abend die letzten Geschenke zu ergattern? Glücklicherweise bin ich im Internet auf eine Umfrage gestoßen, die genau dieses Mysterium untersucht hat. Die Überschrift der Studie lautet:

„Männer tragen den Christbaum und Frauen die Verantwortung“

Im Prinzip hätte allein diese Aussage für die Darstellung der kompletten Umfrageergebnisse ausgereicht. Im Detail ist die Aufgabenverteilung zwischen Mann und Frau rund um´s Weihnachtsfest viel erschreckender. Ich meine damit nicht das Geschenke einpacken oder Kekse backen. Auch die Aussage, dass sich die männliche Fraktion hierzulande sowohl finanziell als auch generell aus den Vorbereitungen für das Fest zurückhält, ist keine Überraschung. Aber, dass wir Frauen scheinbar auch die Verantwortung dafür tragen, dass am Weihnachtsabend auch ja eine harmonische Stimmung herrscht, katapultiert den Weihnachtsmann somit direkt von seinem Schlitten zurück in die Einöde des Nordpols. Mir ist durchaus bewusst, dass es keine Märchenprinzen gibt, aber zumindest die Geschichte von dem rundlichen, freundlichen alten Mann wollte ich mir aufrechterhalten.

 

Vielleicht ist das aber auch nur ein Beweis dafür, dass der Geist der Weihnacht perfektionslos ist.

 

Und es heißt ja schließlich auch immer nur, dass der Weihnachtsmann den Schlitten fährt und die Geschenke verteilt. Vom Geschenke einpacken und Harmonie versprühen ist nie Rede.

Am Ende sind es also doch wir (Weihnachts-)Frauen, die für die strahlenden Augen verantwortlich sind!

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