#7 Wachstumsschub Welt

2017-Kolumne-Rückblick-Wachstumsschub-Welt-Gedanken

Eltern kennen Sie: die Schübe während der Wachstumsphase eines Babys. In dieser Zeit sind die Kleinen besonders anhänglich und launisch. Besonders frustrierend ist in dieser Zeit das Gefühl, dass der Sprössling das erst vor kurzem Erlernte und stolz präsentierte einfach wieder vergessen hat. Ein Schritt vor und zwei zurück.

 

Nun ist es natürlich so, dass es sich bei den Dingen und Geschehnissen dieser Welt nicht um einen Säugling handelt, der mit seinen sechs Monaten Stück für Stück seine Umgebung erkundet und motorischen, wie auch mentalen Fähigkeiten erst kennenlernen muss. Wenn ich allerdings das Jahr 2017 revue passieren lassen werde ich den Gedanken nicht los, dass die Welt immer noch in ihren Kinderschuhen steckt. Oder ist dies womöglich der Lauf der Zeit?

 

Konfliktmanagement. Es gibt Bücher, Methoden, ja ganze Seminare um Unstimmigkeiten bestmöglich zu händeln und (verbale) Auseinandersetzungen zu lösen. Was ein Konflikt überhaupt ist, bzw. bedeutet, müssen Kinder erst einmal lernen und verstehen. Meine Tochter ist gerade in einer solchen Phase. Sie liebt ihren Schnuller und weiß genau, dass dieser nur zum Einschlafen erlaubt ist. Also passiert es schon mal, dass sie nachmittags auf einmal ganz müde wird, theatralisch gähnt und ihren Schnuller verlangt. Wer müde ist muss aber auch ins Bett. Etwas Spielen oder gar die geliebte Folge Conni am Abend stehen somit auf der Kippe. Die Entscheidung ist für meine Tochter natürlich nicht einfach und nur selten läuft die beschriebene Situation ohne Diskussionen und natürlich auch Kompromissen ab.

 

Entscheidungen. Vorab: ich bin nicht entscheidungsfreudig. Schon gar nicht bei der Auswahl eines Gerichts im Restaurant. Ich schaue mir sogar vorher die Karte im Internet an und bin mir dann trotzdem unsicher, wenn der Kellner vor mir steht. Hin- und wieder nutze ich Pro-und Kontra-Listen um bei einer Entscheidung weiterzukommen. Es kommt natürlich immer ganz darauf an WAS entschieden werden soll und wie schwerwiegend diese Entscheidung für mich oder gar andere ist. Fakt ist jedoch, dass Entscheidungen beeinflussen und verändern.

 

Veränderungen. Wie ich finde ein wohl sehr passender Begriff für die Beschreibung des Jahres 2017. Ebenso wie auch Konflikte und Entscheidungen. Auch wenn die Präsidentschaftswahl in den USA bereits im November 2016 stattfand, so zeigte der Woman´s March im Januar 2017 – einen Tag nach der Amtseinführung von Donald Trump - ziemlich genau, was Entscheidungen bewirken können. Der Protestmarsch war nicht nur ein Statement für die Wichtigkeit von Frauen und Menschenrechte im Allgemeinen. Es zeigte auch, dass die Konsequenz in Folge der Entscheidung der meisten Amerikaner für Unruhe und Unmut sorgte.

 

Auch die diesjährige Bundestagswahl brachte in Deutschland eine Veränderung. Trotz fortschrittlicher Beschlüsse, wie die „Ehe für alle“ im Juni und die Anerkennung des 3. Geschlechts fünf Monate später, wurde die AFD in den Bundestag gewählt. Zwei Schritte in der Evolution zurück und darauffolgende ewig andauernden Koalitionsverhandlungen machen deutlich, dass auch hierzulande das (Wahl-) Ergebnis einzelner Abstimmungen die ursprünglichen Meinungen anderer verändern kann. Womit wir wieder beim Konfliktmanagement angelangt wären.

 

Egal ob wir uns als Kleinkind, Mitzwanziger oder Greis entscheiden müssen, der Kreislauf aus Konflikt – Entscheidung – Veränderung bleibt. Und spätestens, wenn wir mit der Konsequenz unserer Entscheidung konfrontiert werden – ganz gleich ob positiv oder negativ – werden wir uns fragen: „was wäre, wenn?“ und der Zyklus beginnt von vorn.

 

Es sei denn, die Konsequenz ist perfektionslos.

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